Schon mal auf einer Brot-Party gewesen?


Eine Party über Brot?! Wie unspektakulär das auch klingen mag, ich habe seit langem nicht solch ein tolles Fest erlebt.


Einer der Brotstände
Einer der Brotstände: Vier Frauen von den Komoren (nähe Madagaskar) präsentieren Brotspezialitäten ihres Landes (Foto von Foto von Teresa Abel, Copyright Teresa Abel)

Eine Woche zuvor: Julia und ich saßen, so wie jeden Tag, an unserem SEA-Bürotisch im Culutral Arts Centre, als der gut gelaunte Tourguide Farid, gefolgt von einer Gruppe Touristen die Galerie stürmte. Heute hatte er nicht nur interessante Sätze über das Arts Centre parat, sondern berichtete uns von seiner selbst organisierten Mkate-Party (Mkate=Brot), welche nächste Woche stattfinden sollte. Wir seien herzlich eingeladen und sollen auf jeden Fall vorbeischauen. Fest überzeugt drückte er uns einen Flyer in die Hand, dann verschwand er auch schon wieder in den Gassen Stone Towns. Eine Brot-Party? Das klingt für mich eigentlich nicht wirklich spektakulär. Doch Farids Enthusiasmus hatte mich tatsächlich neugierig gemacht.

Farid, der Mann im gelben Kanzu. Und einer der ersten Menschen, die ich hier auf Sansibar kennenlernte.

Schon beim ersten Aufeinandertreffen erzählte er, er habe schon viel über uns neue Volontäre gehört, und er wolle uns unbedingt auf einer seiner Führungen durch Stone Town mitnehmen. Das nahmen wir natürlich gerne an. Eines Morgens durften wir ihm dann durch alle möglichen Ecken von Stone Town folgen. Wir stellten fest, dass er nicht nur Tourguide, sondern auch ein kenntnisreicher Historiker ist. Außerdem war er tatsächlich der erste Mann, den ich in einem knallgelben Kanzu sah. Hätte ich solch einen Kanzu im Laden gesehen, hätte ich mich definitiv gefragt wer denn so eine Farbe kaufen würde. Jetzt muss ich mir eingestehen, dass ihm diese Farbe sehr gut steht. Situation Nr. 1 in der mich Farid vom Gegenteil überzeugte.

Situation Nr. 2: die Brot-Party Wie schon gesagt, Brot klang für mich irgendwie trocken und einfach. Kaum aufregend. Dementsprechend erwartungslos, jedoch auch offen für Neues, trat ich am Sonntag in einer Dira gekleidet, in den Garten des Park Hyatt Hotel. Hier sollte das Fest stattfinden. Bei dem Festgelände handelte es sich um eine Art Terrasse und ein kleines Stück Garten. Im Zentrum stand ein Brunnen. Das Gelände um den Brunnen herum war von Brotständen gerahmt. Als ich einen ersten Erkundungsgang startete begegnete ich vielen bekannten Gesichtern. Unter anderem traf ich auf Khamis, meinen Chef vom Waste-Management-Projekt. Stolz zeigte er mir einen von seinem Projekt platzierten Mülleimer, der einlud gefüllt zu werden. Da gelangt der Müll in die richtigen Hände.

Weiter ging meine Erkundungstour. Ich fand Brot aus den verschiedensten Ländern. Von dem alltäglich gesehenen Mkate wa Ufuta und Chapati, über Gewürzkuchen bis zu Spezialitäten aus dem Oman und Äthiopien war alles dabei. Zu jedem Brot gab es einen landesspezifischen Dip wie Guacamole, Hummus, Pesto oder auch Ricotta. Eine wahnsinnig große Auswahl. Alles war auf eine andere Art präsentiert und lud zum Probieren ein. Hier waren definitiv kreative Köpfe am Werk gewesen. Je mehr Stände ich sah, desto mehr stellte ich mir die Frage, ob das Kosten hier wohl auch Geld kosten mag. Diese Vielfalt an Essen konnte doch unmöglich umsonst sein. Nach einer kleinen Empfangsrede drückte uns Farid einen Teller in die Hand und schickte uns zum ersten Stand. Und dann hieß es wie so oft: „Karibu Chakula“. Heißt so viel wie: Wir waren herzlich eingeladen zu essen. Meine Frage war somit beantwortet. Wir durften nun offiziell in das Brotparadies eintauchen. Es gab genug für jeden. Wenn ich einmal nichtessend herumstand, zog mich meine Arbeitskollegin Samira zum nächsten Stand und füllte meinen Teller. Es war ganz egal, ob ich mich an dem Stand bereits durchprobiert hatte, der Teller durfte nicht leer sein. Ja, ich genoss diesen Überfluss an Geschmäckern und wollte auf gar keinen Fall den Anschluss verlieren oder auch nur eine Brotsorte verpassen.

Bei der Party ging es nicht nur um das Essen selbst. Als ich Farid nach seiner Motivation für solch ein Fest fragte, erzählte er mir, dass er sich als Historiker viel mit dem kulturellen Erbe Sansibars beschäftige. „Culture is everything“, und Essen sei ein wichtiger Bestandteil der Kultur. Es ging viel mehr darum einen Austausch zu bewirken und ein Aufeinandertreffen zu bezwecken. Kulturen sollen aufleben und die Locals sollen motiviert werden, altes Wissen an kulturellem Erbe wieder auszugraben und sie mit anderen zu teilen. Gerade auf Sansibar hat man den Vorteil, dass man nicht weit reisen muss, um andere kulturelle Einflüsse erleben zu können, denn Sansibar verfügt über solch eine Vielfalt. Genau diese Vielfalt solle auf diesem Fest heute aufgelebt und gefeiert werden. Auch der Ort des Festes war bewusst ausgewählt. Bei dem Park Hyatt Hotel handelt es sich um eins der renommierten Hotels Sansibars. Da fragt man sich schnell, wieso ein Fest das Einheimische und Besucher zusammenbringen soll, in solch einem Luxushotel stattfindet. Doch tatsächlich war dies der perfekte Ort, denn für die Sansibaris ist das Hotel ein wichtiger Bestandteil Sansibars. Es befindet sich direkt am Stadtstrand, an welchem sich jeden Abend viele Sansibaris treffen, und hat somit die perfekte Lage, was das Aufeinandertreffen von Locals und Touristen angeht.

Zusammen mit der Musik, kleinen Tanzeinlagen verschiedener Landesgruppen und der traditionellen Kleidung der Besucher in Kanzus und Diras sorgte die Mkate-Party für eine unglaublich friedliche und entspannte Atmosphäre. Es war nicht nur eine unglaubliche kulinarische Erfahrung, sondern auch ein beeindruckendes Beispiel für ein positives Zusammentreffen verschiedener Altersgruppen und Kulturen.

Ein weiterer Stand
Ein weiterer Stand: präsentiert Choroko Brot (Choroko ist eine bestimmte Art Bohne) (Foto von Foto von Teresa Abel, Copyright Teresa Abel)
Der Mülleimer
Der Mülleimer: von dem Waste-Management-Projekt platziert. (Foto von Foto von Teresa Abel, Copyright Teresa Abel)
Das beeindruckende Organisationstalent Farid.
Das beeindruckende Organisationstalent Farid.: Er hat das Fest auf die Beine gestellt. (Foto von Foto von Teresa Abel, Copyright Teresa Abel)
  1. Author Teresa Abel

    Teresa Abel macht momentan ein Freiwilligendienst bei Sustainable East Africa auf Sansibar.

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