Wo ich wohne


Der Ort, an dem viele Freiwillige wahrscheinlich die meiste Zeit während des Jahres in Tansania verbringen: das Haus der Gastfamilie. Dieser Ort zeigt auch, wie sich ihr Leben und das der tansanischen Mitbewohner von Deutschland unterscheiden kann. Dieser Eintrag ist eine Beschreibung "meines" Hauses.


Das Haus von vorne.
Das Haus von vorne.: Es hat nicht zuletzt diesen Beitrag ermöglicht. (Foto von Joost Fischer, Copyright Joost Fischer)

Es gibt, wahrscheinlich ist es selbstverständlich, Unterschiede zwischen dem tansanischen Haus und meinen Wohnorten in Deutschland. Einer dieser Unterschiede: in dem tansanischen Haus gibt es keine Küche als spezifischen Raum, in dem gekocht wird. Dafür ist das eine Ende der Terrasse, über die man vor Betreten des Hauses automatisch geht, für einen Kohleherd reserviert. Und nicht umsonst gibt es für Küche und Herd im Kiswahili nur einen Begriff, nämlich "jiko". Dort wird Mittags und Abends Essen und nach dem Essen Wasser oder Milch (ab)gekocht. Vorbereitungen werden dann eben ohne eine Spüle oder Arbeitsfläche getroffen, Gemüse beispielsweise in der Hand über einem Topf geschnitten.

Manchmal essen wir auf der Terrasse, aber häufiger in dem Raum, den meine Gastoma als "sitting room" (wörtlich aus dem Englischen: Sitzraum) bezeichnet. Denn der Raum dient nicht nur dem Essen, sondern ist auch der wichtigste Aufenthaltsraum und ist ausgestattet mit Couches, Regalen, Schränken, Kühlschrank, Tisch und Fernseher, sowie Dekoration. Wenn ein Mitglied meiner Gastfamilie zuhause ist oder Besuch kommt, dann halten sie sich tagsüber eigentlich immer entweder auf der Terrasse oder in dem sitting room auf.

Die Schlafzimmer werden vor allem zum Schlafen benutzt. Außer meinem Zimmer sind sie nur mit Betten und Schränken möbliert. Alle Schlafzimmer erreicht man über einen Flur, der vom sitting room abgeht. Ebenfalls über diesen Flur erreichbar ist das letzte (wichtige) noch unbeschriebene Zimmer: das Bad. Dieses ist dreigeteilt: ein Raum direkt am Flur, in dem Wasser und Flip-Flops gelagert werden (denn Bad und Dusche werden in meiner Gastfamilie und meiner Erfahrung nach auch in ganz Tansania nicht barfuß betreten) und dahinter die Toilette und die Dusche. Zum Abschluss eine Erklärung zum gelagerten Wasser: normalerweise haben wir fließendes Wasser, aber für den Fall das dies mal ausfällt, hilft das gelagerte Wasser aus. Auch über die Nacht wird das Wasser meistens abgestellt. Das wurde mir einmal folgendermaßen erklärt (wie viel daran sein mag, kann jeder für sich entscheiden): Es gab eine Gruppe Diebe, die nachts in die Innenhöfe der Häuser eindrang und das Wasser andrehte. Die Hausbesitzer hörten das natürlich und standen auf, um das Wasser wieder abzuschalten. Doch die Diebe warteten nur darauf: sobald sich die Tür öffnete, drangen sie in das Haus ein. Bis eben damit angefangen wurde, nachts das Wasser abzustellen.

Jikoni am Ende der Terrasse
Jikoni am Ende der Terrasse: Der Ort, an dem gekocht wird. (Foto von Joost Fischer, Copyright Joost Fischer)
Sitting Room
Sitting Room: Der Ort, an dem nicht nur gesessen wird. (Foto von Joost Fischer, Copyright Joost Fischer)
  1. Author Joost Fischer

    Joost Fischer macht momentan einen Freiwilligendienst in Mwanza im Norden Tansanias, direkt am Viktoriasee.

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